
Tipps & Tricks
WINTERSCHLAF
Der Winter ist eine harsche Zeit für Mensch und Maschine. Kälte setzt dem Piloten zu, Feuchtigkeit in mannigfaltiger Form dem Motorrad.
Wer sich deshalb zu einer richtigen Winterpause – man kann stattdessen den Töff auch betriebsbereit halten, das «Schild» nicht abgeben und schöne Wintertage nutzen – entschliesst, steht jetzt vor der Aufgabe des «Einmottens».
Dafür gibt es unterschiedliche Methoden:
- Machbar, aber nicht unbedingt empfehlenswert ist das blinde Vertrauen in die Technik: Motorrad in die Ecke stellen, am besten in der Garage, Blache drüber, fertig. Mit etwas Glück und allenfalls mit Anschieben läuft der Töff im nächsten Frühling einfach wieder an. Das kann klappen .... oder auch nicht.
- Zweitens kann man diese Minimalvariante wählen und dazu die Batterie ausbauen – und wenn möglich an ein Lade-/Frischhaltegerät anschliessen. Drittens kann man sich an die Prozedur halten, wie sie in «Der Tipp» skizziert wird.
Angebot vom Händler
- Und viertens kann man darauf hoffen, dass einem der Händler des Vertrauens eine bequeme Alternative offeriert bzw. offerieren kann. Vermehrt hören wir von Markenvertretungen, die ihren Kunden das Überwintern abnehmen.
- Ein solcher Vollservice ist natürlich nur bei entsprechenden Platzverhältnissen machbar. «Nach Möglichkeit bieten es die Händler an, denn sie wissen, dass viele Kunden diese Dienstleistung schätzen.»
- Die Winterpension beim Händler bietet für beide Seiten Vorteile: Töfffahrer sind aller Sorge entledigt, machen sich die Hände nicht schmutzig und können sich im Frühling bedenkenlos per Knopfdruck auf die erste Fahrt begeben. Für den Motorradfahrer mit einer durchschnittlichen Jahresfahrleistung dürfte im Übrigen gerade einmal pro Jahr der Service anfallen – am besten für den Händler eben in den ruhigen Wintermonaten. Der Händler kann so die Arbeit in der Winterzeit stressfrei planen.
- Auch wer Umbauarbeiten, Fahrwerks- oder Motorentuning wünscht, erleichtert dem Händler das Leben, denn auch diese lassen sich gut geplant abwickeln.
- Natürlich wird der Händler fürs Überwintern einen Obolus verlangen – mit 150 bis 200 Franken muss man wohl rechnen. Dafür wird teilweise der Motorradtransport kostenlos angeboten, oder Arbeiten in den Wintermonaten werden mit Rabatt ausgeführt.
- Dankbar wird der Händler im Frühling dafür sein, dass man seinen Wunsch zum «Ausmotten» rechtzeitig bekannt gibt, und nicht erst am Vorabend des ersten Wärmetages!
Der Tipp:
Zur empfehlenswerten Überwinterung gehört die Reinigung des Motorrades, denn verschmutzte Teile altern oder rosten schneller. Der Ablauf zum Einmotten könnte deshalb etwa so aussehen:
- Erneuerung des Motorenöls und des Ölfilters, das verhindert Korrosion an Getriebe etc. durch vorhandene agressive Verbrennungsrückstände im Altöl. (Motor erst warm laufen lassen!)
- Ebenfalls empfehlenswert ist ein jährlicher Austausch der Hydraulikflüssigkeiten. Da diese hygroskopisch (wasseraufnehmend) sind, kann bei verschärften Bremsungen das aufgenommene Wasser zu sieden anfangen, worauf sich Luftblasen bilden, welche ihrerseits wieder komprimierbar sind, was eine massiv schlechtere Verzögerung zur Folge hat!
- Vollwäsche in der Abspritzanlage.
- Kettenreinigung mit entsprechendem Mittel.
- Kette fetten.
- Randvolles Tanken von Blechtanks um Korrosion zu vermeiden.
- Wer auf Nummer ganz sicher gehen will, bewahrt den Kraftstoff durch Beigabe eines Fuel Stabilizers vor dem Altern.
- Bei Vergaser: Schwimmerkammern leerlaufen lassen (unten am Vergaser befindet sich eine Ablass-Schraube). Das verhindert verharzen oder verschmutzen der empfindlichen Düsen etc.
- Reifenluftdruck leicht erhöhen und Fahrzeug auf den Hauptständer stellen bzw. so aufbocken, dass beide Räder nicht den Boden berühren (um Standplatten oder Unwuchten zu vermeiden). Wenn nicht möglich, alle paar Wochen die Position des Motorrades ändern, um Unwuchten durch langes Stehen zu verhindern.
- Steht das Motorrad an ungeheizter Stelle, ist darauf zu achten, dass bei Motorrädern mit Wasserkühlung Kühlflüssigkeit mit Frostschutz verwendet wird.
- Kabelzüge schmieren kann ebenfalls nicht schaden.
- Batterie ausbauen oder abklemmen um eine Tiefentladung zu vermeiden und am besten an ein Lade-/Frischhaltegerät anschliessen (bereits unter 100 Franken zu haben) welches die Batterie während dem Winter pflegt und päppelt. Nicht wartungsfreie Batterien auf den Flüssigkeitsstand prüfen und allenfalls mit destilliertem Wasser nachfüllen.
- Das Motorrad mit einem Konservierungsspray überziehen. Bremsscheiben und Reifen von dieser Prozedur aussparen! Mit einem Tuch oder Abdeckplane abdecken, fertig.
Der Nierengurt: SINN UND ZWECK

Er führt ein Schattendasein, sieht nicht sonderlich spektakulär aus und ist entsprechend kaum in der Vitrine ausgestellt. Die Rede ist vom Nierengurt. Ein unentbehrlicher Baustein für rundum funktionierende Schutzbekleidung?
Die NierenDer Mensch sollte gut auf sie aufpassen, sind sie doch für die Entgiftung des Körpers bzw. die Blutreinigung, die Blutdruckregulation und den Körperflüssigkeitshaushalt von immenser Bedeutung. Um schmerzhaften und unter Umständen langwierigen, nur teils durch ärztliche Behandlung heilbaren Nierenkrankheiten vorzubeugen, sollen Motorradfahrer einen Nierengurt tragen. Schliesslich sind sie dem Fahrtwind ausgesetzt, der die Organe unterkühle, die deswegen schlechter durchblutet und dadurch anfälliger für Entzündungen würden. Heisst es gemäss Überlieferung.
SkepsisAuf Anfrage meinte ein Urologe des Universitätsspitals Zürich nach
gründlicher Recherche in der Fachliteratur allerdings, dass
Kälteeinwirkung (Fahrtwind) den Nieren allenfalls insofern schaden
könnte, als dass sich die Gefässe im Bereich der Schleimhäute der
ableitenden Harnwege verengen könnten. Die Konsequenz wäre eine erhöhte
Infektionsgefahr. Dies ist jedoch nur eine Vermutung des Experten.
Von Nieren, die sich auf Grund mechanischer Vibrationen senken würden
(was auch oft behauptet wird), will der Urologe übrigens noch nie etwas
gehört haben. Selbst der Dienstarzt Nephrologie, verantwortlich für
Diagnostik und Therapie von Nierenerkrankungen, kann sich nicht
vorstellen, dass sich der Fahrtwind beim Motorradfahren negativ auf die
Nieren auswirkt. Begründung: Es ist wissenschaftlich nicht erwiesen,
dass Kälte durch Fahrtwind den Nieren schadet. Möglich also, dass der
Nierengurt mit den Nieren eigentlich wenig zu tun hat.
Erstaunlich ist jedoch, dass sowohl Experte Urologe wie auch Experte
Nephrologe – beide Motorradfahrer – regelmässig mit Nierengurten
unterwegs sind. Dies allerdings mit dem Ziel des rein mechanischen
Schutzes im Falle eines Sturzes. Weiter konstatieren sie, dass der
Nierengurt das Kreuz stützt.
Auch wenn der Nutzen nicht zweifelsfrei feststeht, trägt der Nierengurt
zum körperlichen Wohlbefinden bei, stützt das Kreuz jener Fahrer, die
fälschlicher- oder sportlicherweise in Buckelstellung unterwegs sind,
und schützt - sofern mit integriertem Rückenprotektor - die Wirbelsäule.
Nierengurte - ob mit oder ohne Rückenprotektor - werden in der Schweiz noch immer sehr gut verkauft.
Speziell für Sommertage eignen sich Produkte, die auf atmungsaktiven
Textilien basieren. An frostigen Tagen kann man auf Gurte mit
eingenähtem Vlies zurückgreifen. Für Frauen mit akzentuierter Taille
oder Männer mit sportlicher V-Statur gibt es im Fachhandel Nierengurte,
die entsprechend geschnitten sind und deshalb nicht rutschen.
Der Nierengurt sollte satt am Körper anliegen. Deshalb muss der Gurt
sorgfältig anprobiert werden - besonders mit integriertem
Rückenprotektor. So kann es sein, dass der Rückenpanzer im Stehen passt,
in Kauerstellung jedoch im Genick anstösst. Ein Sturz könnte fatale
Folgen haben. Es ist also wichtig, sich beim Kauf von Fachpersonal
beraten zu lassen und sich beim Probesitzen auf dem (wenn möglich
eigenen) Motorrad zu vergewissern, dass der Protektor in seiner Länge
passt.


